Digitalfunk nicht für Katastrophen ausgelegt

Am 16. Mai gab es in Lübeck einen vierstündigen Stromausfall. Bisher wurde offiziell von zwischenzeitlichen „Problemen“ beim Behördenfunk beim Stromausfall gesprochen. Jetzt berichtet Lübecks Innensenator Ludger Hinsen, dass das System nur gut drei Stunden ohne Anschluss ans Stromnetz durchgehalten habe. Dann war Schluss.

Im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung der Bürgerschaft wurde über die Auswirkungen des Stromausfalls informiert. „Die Notrufnummern 110 und 112 haben durchgehend funktioniert“, berichtet Lübecks Feuerwehrchef Bernd Neumann. Aber bereits beim städtischen Netz ging nichts mehr. „Wir haben mit der Polizei über den Notruf 110 telefoniert“, berichtet Innensenator Ludger Hinsen. „Das sollte eigentlich nicht sein.“

Die Abläufe bei der Feuerwehr liegen einwandfrei. Frühzeitig wurde ein Betankungsfahrzeug nach Lübeck geordert, um bei längerem Stromausfall die Notstromaggregate und Einsatzfahrzeuge zu betanken. „Das ist eine Erfahrung aus vielen Übungen“, sagt Bernd Neumann.

Für die Freiwilligen Feuerwehren wurde Vollalarm ausgelöst. Sie besetzten ihre Gerätehäuser, damit Bürger zumindest dort ihre Notrufe abgeben können. Das funktionierte aber nur in den ersten Stunden, danach riss die Verbindung zur Leitstelle ab. „Die letzten 23 Minuten bis es wieder Strom gab, war der Digitalfunk tot“, berichtet Senator Hinsen. Das Versagen der Behördenfunk-Technik könne er nur mit Kraftausdrücken kommentieren, die er nicht aussprechen möchte.

Die Nutzung der komplizierten Technik, die auch den Zoll, Geheimdienste und Polizei verbindet, ist vorgeschrieben. Kritiker hatten schon bei der Einführung bemängelt, dass die Batteriepuffer für die Computeranlagen und Sendemasten nur wenige Stunden reichen.

Zum Glück blieb es am 18. Mai nur bei kleineren Einsätzen in Lübeck. In zehn Fällen befreite die Feuerwehr Personen aus Aufzügen, zwei Brandmeldeanlagen lösten aus, ein Wohnugsbrand wurde bekämpft und es gab neun technische Hilfeleistungen. „Die Stimmung in der Stadt war entspannt“, sagt Senator Ludger Hinsen. Viele Menschen genossen die Arbeitspause in der Sonne. „Das hätte auch anders kommen können.“

 

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